„Leben heißt, tief einsam sein“, schrieb der

26-Jährige in einem Gedicht. Friedrich Hebbel, aus ärmlichen Verhältnissen und Autodidakt, war nicht nur als Person eigenwillig, unabhängig vom kulturellen Establishment und radikal in seinem Denken wie in seiner Kunst – er machte die Einsamkeit des modernen Ich, die Beziehungslosigkeit der Individuen, ihre natürliche Tendenz zur Selbstbehauptung und die Tragik ihrer Einseitigkeit zu seinem großen künstlerischen Thema.

         Die Biographie – die erste seit hundert Jahren – stellt den Dichter und Intellektuellen im gesamten Spektrum seiner künstlerischen, sozialen und politischen Interessen vor. Sie folgt ihm auf den inneren und äußeren Stationen seines Lebens, von der holsteinischen Provinz über Hamburg, Heidelberg, München, Kopenhagen, Paris, Rom, Neapel bis nach Wien, Berlin, Weimar, London. Und sie zeigt die Dynamik seines Werks in der Auseinandersetzung mit der Kultur- und Zeitgeschichte   des 19. Jahrhunderts, vom Weltschmerz und der Jugendrevolte der 1830er Jahre über den Vormärz und die Revolution 1848/49 bis in die schwierigen Aufbruchsjahre Deutschlands und Europas.  Hebbels Brisanz erschließt sich vor dem Hintergrund einer Epoche, in der unsere Gegenwart beginnt.